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Buch des Monats (Juni 2018)

Jesmyn Ward: Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt. Kunstmann, 2018, € 22,00.

Dieses Buch erzählt vom Leben einer schwarzen Familie in Mississippi. Da ist zum einen der dreizehnjährige Jojo, der sich rührend um seine dreijährige Schwester Kayla kümmert. Die Kleine klammert sich buchstäblich an ihren großen Bruder, denn zur drogennehmenden Mutter Leonie haben beide nur ein distanziertes Verhältnis. Zu oft sind sie von ihr ungerecht behandelt, geschlagen oder schlichtweg vergessen worden. Elterliche Fürsorge übernehmen die Großeltern, so gut sie noch können. Nun soll der leibliche, weiße Vater der Kinder vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden. Kurzerhand schnappt sich Leonie ihre Kinder und fährt los, um ihn abzuholen. Doch die Fahrt wird zum Horror-Trip für alle Beteiligten. Kayla wird krank und muss sich ständig übergeben, beide Kinder haben schrecklichen Hunger.

Die Mutter denkt nur an sich und daran, sich mit Drogen einzudecken. Und auf der Rückfahrt kommen sie auch noch in eine Polizeikontrolle. Jesmyn Ward erzählt erschütternd von Gewalt, Rassismus und Demütigungen, schafft es aber zugleich, dass der Leser auch die hoffnungsvollen Momente und die Liebe der Protagonisten spüren kann. (Rezensiert von C. Harenkamp)