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Buchtipp Juli 2019

McEwan, Ian: Maschinen wie ich, Diogenes
Der intelligente aber nicht sonderlich lebenstüchtige Charlie gibt den Rest seines Vermögens aus, um einen der ersten Androiden – Adam – zu ergattern. Zusammen mit seiner Nachbarin und Freundin Miranda konfiguriert Charlie Adams Persönlichkeit. Somit sieht Adam nicht mehr nur aus wie ein Mensch, er denkt, er handelt und er fühlt. Adam spekuliert erfolgreich an der Börse, verschafft Charlie auf diese Weise finanziellen Freiraum, er hilft im Haushalt, er diskutiert gerne und schläft dank technischer Raffinesse mit Miranda. Nicht nur das, Adam verliebt sich in sie und verfasst tausende Haiku. Fortan steht dieses Dreiecksverhältnis unter großer Anspannung, denn Adam wird nicht Charlies und Mirandas „Kind“ sondern mehr und mehr Charlies Rivale. Der immerzu lernfähige Android bezeichnet sich sogar als den besseren Menschen, denn der Mensch selbst wird immer unperfekt bleiben. Charlie beginnt seine KI zu hassen und sucht Rat bei seinem großen Vorbild Alan Turing. Ian McEwan siedelt seine Geschichte im London der 1980-er Jahre an. Vieles erscheint uns auf den ersten Blick vertraut und doch ist alles anders. Technische Errungenschaften der letzten Jahre sind bereits „olle Kamellen“, vieles ist sogar schon weiter entwickelt. In einem großen Bogen verwebt Ian McEwan große Fragen unserer Zeit, stellt die Frage nach Künstlicher Intelligenz auf  philosophische, rationale und wissenschaftliche Weise.

 

Buchtipp Juni 2019

Levy, Marc: Eine andere Vorstellung vom Glück, Blanvalet

Philadelphia, Frühjahr 2010: Nach dreißig Jahren Haft flieht Agatha aus dem Gefängnis, obwohl sie nur noch fünf Jahre zu verbüßen hätte. An einer Tankstelle steigt sie einfach zu einer jungen Frau ins Auto und zwingt sie, nach San Francisco zu fahren. Zuerst erschrocken, findet Milly, die bisher ein eher langweiliges Leben führte, Gefallen an der geheimnisvollen Agatha. Aus der Geisel wird eine Komplizin. Fünf Tage lang fahren sie quer durch die USA. Bei jedem Halt treffen Sie jemanden aus Agathas Vergangenheit, kommen ihrem Geheimnis näher - und  auch ihrer großen Liebe. Als Leser ahnt man schon, dass alle Personen irgendwie miteinander verbunden sind. Aber was genau dahinter steckt, erfährt man als Leser erst am Ende. Für Milly, die noch das ganze Leben vor sich hat, stellt sich die Frage: Wie weit darf man auf der Suche nach dem Glück gehen? Spannend und geheimnisvoll führt Levy seine Leser bis zum Schluss durch das Buch. Ganz gleich ob zu Hause auf dem Balkon oder am Strand - eine unterhaltsame Sommerlektüre für alle Tage!

Buchtipp Mai 2019, Azubi-Tipp für Jugendliche

Rubens, Michael: Playlist meiner miesen Entscheidungen, dtv

Austin Methune ist ein 16 jähriger Junge, der ganz in seiner Musik lebt. Am liebsten spielt er auf der 4000 $ Mandoline, die dem Freund seiner Mutter gehört. Als diese jedoch bei einem unglücklichen Unfall, in dem sowohl Drogen als auch Mädchen eine Rolle spielen, kaputt geht, muss Austin, um diese zu ersetzen, einen Job annehmen. Seine große Leidenschaft, die Musik, scheint in diesem Sommer wohl aufgrund Nachhilfe und Arbeit zurückstehen. Doch dann steht urplötzlich der Musiker Shane Tyler vor seiner Haustür und Austin erfährt, dass dieser auch noch sein Vater ist. Scheinbar geht ein Traum in Erfüllung. Doch wie es so ist, trügt der Schein. Durch das ganze Buch hinweg zieht sich die Angst, dass Austin das einzige Mädchen, das ihm wirklich etwas bedeutet, verlieren kann. Rubens spricht in seinem Roman über sehr ernste Themen wie Drogen und auch Gewalt, jedoch auf eine äußerst faszinierende und mitreißende Art und Weise. Er bringt diese ernsten Themen so natürlich in den Verlauf der Geschichte ein, dass es sowohl erschreckend als auch lustig erscheint. Bei „Playlist meiner miesen Entscheidungen“ handelt es sich definitiv um ein Buch, bei dem man lachen, aber auch nachdenklich werden kann.

Buchtipp April 2019

Dalcher, Christina: Vox, S. Fischer

Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Fundamentalistische Christen haben die USA übernommen. Den dort lebenden Frauen werden Stück für Stück die Rechte entzogen. Von heute auf morgen dürfen sie ihre Häuser nicht mehr einfach so verlassen, sondern nur noch nach draußen gehen um ganz bestimmte Dinge zu erledigen. Und sie dürfen nicht mehr als 100 Worte täglich sprechen. Frauen müssen ein Armband tragen, welches sie als eventuelle Rebellinnen erkennt und werden mit Stromstößen bestraft. Und das passiert im 21. Jahrhundert. Christina Dalcher zeigt in ihrem Debüt-Roman, wie die Welt sich verändern könnte, wenn wir nichts dagegen tun. In einem Amerika der nahen Zukunft erzählt sie die Geschichte einer Frau, die nicht schweigen möchte, denn ihr und unzähligen anderen Frauen werden unter anderem auch all ihre Träume genommen. Die Spannung wird gekonnt aufgebaut, man fiebert mit und hat das Gefühl, sofort etwas an dieser Situation ändern zu müssen!

Buchtipp März 2019

Nicolas Remin: Sophies Tagebuch, Kindler Verl.

Berlin zur Zeit des Mauerfalls: Die Lehrerin Erika zur Linde erbt nach dem Selbstmord ihres verwitweten Vaters viel Geld und das Tagebuch ihrer Mutter, das sie in die Zeit des 2. Weltkrieges zurückführt und ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Während ihr Vater als Offizier in den Krieg musste, hielt ihre Mutter Sophie Felix Auerbach, den blonden, attraktiven Juden und Schulfreund ihres Vaters, bei sich versteckt, die Welt der regimetreuen Neunzehnjährigen gerät ins Wanken. Erika ahnt zunächst nicht, wie stark die Ereignisse von damals sie persönlich betreffen, ihre Nachforschungen bringen ihr Erbe, den Ruf ihres Vaters und nicht zuletzt ihre eigene Identität in Gefahr. Der Autor lässt seine Charaktere auf zwei Zeitebenen agieren, die ähnlich und doch verschieden sind. Die Vergangenheit wird durch die Tagebucheinträge beleuchtet, die Gegenwart, also das Berlin im Jahre 1989, erlebt der Leser durch Erika. Dadurch bekommt das packende Familiendrama einen besonderen Reiz und bietet außergewöhnliche Spannung mit authentischem Lokalkolorit. Literarisch anspruchsvoll verwebt Nicolas Remin historische Eckdaten der deutschen Geschichte mit Fiktion.

Buchtipp Februar 2019

 

Erle, Thomas: Das Erwachen (Das Lied der Wächter ; 1), Gmeiner Verlag

Der Schwarzwald – wie wir ihn kennen – existiert nicht mehr. Nach einem Atomunfall wurde die Region evakuiert und hermetisch abgeriegelt. Leben kann dort niemand mehr.
Die Eltern von Felix befanden sich am Tag der Katastrophe auf einer Wanderung am Feldberg. Von dort sind sie nicht zurück gekehrt. An seinem 16. Geburtstag erhält Felix einen Brief, der Fragen aufkommen lässt: Leben in der Sperrzone doch noch Menschen? Wie gefährlich ist die radioaktive Strahlung wirklich? Was wäre, wenn seine Eltern den GAU überlebt hätten? Felix macht sich auf die Suche nach Antworten. Er dringt in die verbotene Zone ein. Und sehr schnell muss Felix feststellen, dass die Strahlenbelastung sein geringstes Problem ist. Ein gut zu lesender Roman, der Lust auf mehr macht. Die Brisanz ist aufgrund der Thematik nicht von der Hand zu weisen. Da tut ein bisschen Fantasy gut, damit das Grauen nicht übermächtig wird.

Buchtipp Januar 2019

 

Winthrop, Elizabeth H.: Mercy Seat, C. H. Beck
Louisiana, 1940. Es ist der Vorabend einer Hinrichtung. Der junge Will Jones wurde zum Tode verurteilt. Der Afroamerikaner soll ein weißes Mädchen vergewaltigt haben. Tatsächlich waren die Beiden ein Paar; sie beging jedoch aus Verzweiflung Selbstmord. Will selbst hat sich, von seinen Schuldgefühlen gequält, im Gefängnis mit seinem Schicksal abgefunden und akzeptiert sein Urteil. Sehr einfühlsam erzählt Elizabeth H. Winthrop, wie einzelne Personen diesem Tag entgegen gehen. Da ist der Vater, der seinem Sohn einen Grabstein stellen möchte, der an sich selbst zweifelnde Staatsanwalt, die beiden Männer, die den elektrischen Stuhl nach St. Martinsville transportieren. Beruhend auf   einer wahren Geschichte berührt „Mercy Seat“ in seiner Intensität und lässt den Leser das Buch kaum aus der Hand legen.

Buchtipp Dezember 2018

Grisham, John: Forderung, Heyne Verl.

Meisterhaft erzählt John Grisham von Betrug, Profitgier und Rache.Im Zentrum der Handlung stehen die Jurastudenten Mark, Todd und Zola. Sie wollten die Welt verändern, als sie ihr Jurastudium aufnahmen. Doch jetzt stehen die Studenten kurz vor dem Examen und müssen sich eingestehen, dass sie einem Betrug aufgesessen sind. Aufgrund der horrenden Studiengebühren sind sie tief verschuldet. Aber vielleicht gibt es einen Ausweg, nicht nur dem Schuldenberg zu entkommen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein geniales Katz-und-Maus-Spiel nimmt seinen Lauf. Bis zum Schluss stellt sich die Frage, können sie das System austricksen?
Grisham thematisiert in seinem neuen Thriller das System der privaten Jura-Hochschulen in den USA, das sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt hat. Inspiriert wurde er von einem Zeitungsartikel über den Betrug solcher Hochschulen, die junge Leute mit dem Versprechen auf eine gute Zukunft in die Schuldenfalle treiben.

 

Buchtipp November 2018

Jonuleit, Anja: Das Nachtfräuleinspiel, dtv

Schwanger und im Stich gelassen von ihrem Lehrer, dann infolge eines „harmlosen“ Faschingsbrauchs vergewaltigt, hat die 17-jährige Annamaria nach dem frühen Tod ihrer Eltern schließlich Glück im Unglück und wird von der Familie aufgenommen, die sie schon lange im Stillen bewundert. Dort schöpft das junge Mädchen neue Hoffnung, aber die Idylle ist trügerisch, denn im Haus herrscht Übermutter Liane, durch eine TV-Serie berühmte Kindertherapeutin und Mutter von fünf Kindern. Während sie schonungslos an ihrer Karriere arbeitet, wendet sie bei ihren Kindern die fragwürdigen Erziehungsmethoden der umstrittenen „Festhalte-Therapie“ nach Prekop an. Allmählich begreift Annamaria, welche Abgründe sich hinter der Fassade dieser perfekten Familie auftun. Der gut recherchierte Roman beeindruckt mit einer schockierenden und dramatischen Geschichte, die man kaum aus der Hand legen kann!

Buchtipp Oktober 2018

Bomann, Corinna: Agnetas Erbe (Die Frauen vom Löwenhof ; Band 1) Ullstein Verlag

Schweden 1913: Die 28-jährige Agneta lebt mit ihrem Freund in Stockholm und führt dort ein selbstständiges Leben als Kunststudentin. Bedingt durch eine familiäre Tragödie auf dem elterlichen Gut, bei der Vater und Bruder ums Leben kommen, muss Agneta ihre Eigenständigkeit aufgeben und auf den „Löwenhof“ zurückkehren. Als neue Gutsherrin trägt sie plötzlich die Verantwortung für das elterliche Gestüt, muss wichtige Entscheidungen treffen und gerät dadurch auch immer wieder mit ihrer resoluten Mutter in Streit. Dies ist der 1. Band der Trilogie, und es macht Spaß, die sympathische Agneta auf ihrem oft holprigen Weg zu begleiten.

 

Buchtipp September 2018

Brox, Richard: Kein Dach über dem Leben, Rowohlt Verl.

Richard Brox, in Mannheim geboren, seit 30 Jahren obdachlos. Auch mit festem Wohnsitz ist er ruhelos und wird oft von der Vergangenheit eingeholt. Er wurde durch seine Ratgeber-Website mit Tipps für Menschen ohne Wohnung  bekannt. Er erzählt seine Lebensgeschichte offen und schonungslos sich selbst und auch der Gesellschaft gegenüber. Es ist beeindruckend zu sehen, dass aufgrund der Recherchen von Richard Brox zumindest diese menschenunwürdigen Zustände in vielen Obdachloseneinrichtungen teilweise verbessert wurden. Er ist seit 2008 mit dem Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff befreundet und drehte mit ihm den Film über Obdachlose „Unter Null“.

 

 

 

Buchtipp August 2018

 

Picoult, Jodi: Kleine große Schritte, Random House

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet die afroamerikanische Ruth Jefferson bereits im Mercy-West-Haven Hospital und gilt als äußerst erfahrene Hebamme und Säuglingsschwester. Nach einem Routineeingriff kommt es bei dem kleinen Davies zum Atemstillstand; für Ruth ein unlösbarer Gewissenskonflikt. Nur weil sie schwarz ist, hat der Vater des Babys ihr strikt verboten, sein Kind zu berühren. Soll und muss sie dem kleinen Jungen helfen oder sich an die Anweisung halten? Der Säugling stirbt und Ruth wird von den rassistischen Eltern wegen Mordes angeklagt.

 

Buchtipp Juli 2018

 

Poznanski, Ursula: Fünf, Wunderlich

Ein Mörder betreibt ein makabres Spiel nach den Regeln des Geo-Caching. Auf einer Kuhweide wird eine Frau ermordet aufgefunden; auf der Fußsohle der Toten sind Koordinaten eintätowiert. Dier Ermittler vom Salzburger BKA Beatrice Kaspary und Florin Wenninger stehen vor einem Rätsel, dessen Lösung die beiden zu einem weiteren Fundort mit einem abgetrennten Körperteil führt. Können Kaspary und Wenninger den "Owner" stoppen, bevor er noch weitere Caches setzt? Ursula Poznanskis furioser Auftakt um das Ermittlerduo Kaspary und Wenninger verspricht Spannung bis zur letzten Seite!

Buchtipp Juni 2018

 

Wingate, Lisa: Die Libellenschwestern, Limes

Der Roman erzählt vom Schicksal einer Familie, die Ende der 1930er Jahre auseinanderriss: Die Geschichte wird in zwei Strängen erzählt, einer spielt 1939, der andere in der Gegenwart. Sie greift einen wahren Skandal in der Geschichte der USA auf - von 1920 bis 1950 wurden zahlreiche Kinder ihren Familien entrissen und von Georgia Tann, Leiterin der "Tennessee Childrens's Home Society", an wohlhabende Menschen verkauft. Wingate nimmt den Leser mit in die Geschichte. Die Kapitel um Rill, ihre Geschwister sowie alle anderen Heiminsassen und ihr Verbleib in der furchtbaren Unterkunft sind äußerst bewegend!